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21 Mrz

Wir sitzen alle im selben Boot

Ruth Garthe

| Foto Credit: Unsplash, Salmen Bejaoui |

Gemeinsamen gegen Corona, gemeinsam stark sein, „gemeinsam“ zu Hause bleiben, sorge dich um deine Mitmenschen, helfe wo du kannst, praktiziere Nächstenliebe, denke positiv, unterstütze wacklige Existenzen, unterstütze alle Menschen, spread the love …

Mega, wenn jeder einzelne Punkt davon berücksichtigt werden würde, dann wäre die Welt vermutlich bald eine bessere, Corona hoffentlich besiegt und der schreckliche Virus hätte uns alle ein Stück mehr zusammen gebracht. Nur die Realität sieht meiner Meinung nach anders aus. 

Ich habe mich die ganze Zeit sehr zurück gehalten, was die aktuelle Situation betrifft, denn ich kann an dem Virus leider nichts ändern. Das was ich gegen das Virus mache, ist beten und zu Hause bleiben, meine Hilfe alten und kranken Menschen anzubieten und in einigen Posts auch mit dem #stayathome dazu aufzurufen. 

Ich habe gerade mit einer Freundin telefoniert und wir haben uns über die aktuelle Lage ausgetauscht, aber nicht über den Virus an sich, sondern über die Menschen und ihr Verhalten in dieser Zeit. 

Doppelmoral und Negativität

Ich spreche dabei aber auch nicht von den Menschen, die den Ernst der Lage immer noch nicht begriffen haben und sich weiterhin in großen Menschenmengen tummeln, weil sie den Frühling genießen wollen, sondern über die Menschen, die bereits zu Hause sind und auf den sozialen Medien sich und ihren Emotionen Raum geben, die Hass erzeugen, Negativität verbreitet und am Ende auch noch davon mit Reichweite profitieren.

Wisst ihr, was ich so traurig finde? Es wird aktuell so viel von Nächstenliebe gesprochen und doch so viel gegeneinander gehetzt oder negative Dinge verbreitet und die moralische Keule geschwungen. Es macht mich einfach wütend, was für eine Doppelmoral da teilweise von manchen Menschen praktiziert wird. Zum einen rufen sie dazu auf sich gegenseitig zu unterstützen und den Menschen dadurch Hoffnung und Hilfe zu geben, und auf der anderen Seite hetzen sie über andere Menschen, weil sie der Meinung sind, dass das nicht in Ordnung ist was sie angesichts der aktuellen Lage da tun? Was soll das denn? Hat überhaupt jemals jemand schon mal das Recht dazu gehabt mit dem gehobenen Zeigefinger auf andere zu zeigen? In der Bibel steht: 

„Wer von euch ohne Sünde ist, der soll den ersten Stein auf sie werfen!“ (Johannes 8,7b)

„Wie kannst du zu ihm sagen: ›Komm her! Ich will dir den Splitter aus dem Auge ziehen!‹, und dabei hast du selbst einen Balken im Auge!“ (Matthäus 7,4)

Mir macht das Virus keine Angst, sag ich euch ganz ehrlich, mir macht Angst, was der Virus mit den Menschen macht. 

Fallbeispiel Titanic

Ich finde die Titantic ist an dieser Stelle ein ganz gutes Bild dafür. Auf der Titanic waren Menschen aller sozialen Schichten vertreten, jeden Alters und jeder Herkunft. Wir kennen alle die Geschichte der Titanic, die muss ich euch nicht erzählen. Es gab zwar kein Virus, aber das Schiff sank in Minusgrade kaltes Meereswasser. Wie haben sich die Menschen verhalten? Einige zeigten Nächstenliebe, halfen wo es ging, setzten ihr Leben ein, damit andere weiterleben konnten und stellten ihr Ego ihren Stolz zurück, andere waren trotz der Situation zu stolz um nachzugeben, ihre eigenen Fehler einzusehen und Barmherzigkeit walten zu lassen und anderen Menschen zu helfen. Sie hatten nur ihren eignes Ansehen im Blick und zeigten weiter mit erhobenem Zeigefinger auf andere Menschen. 

Welcher Mensch auf der Titanic wärst du gewesen? Welcher möchtest du heute sein?

Das Virus und die wirtschaftliche Lage

Sitzen wir nicht alle im selben Boot? Haben wir aktuell nicht fast alle ähnliche Probleme, oder Sorgen? Die Wirtschaft geht grade den Bach runter, darunter leiden Unternehmen, Unternehmer, Freiberufler, Gewerbereibende und auch Angestellte. Kurz gesagt: Alle! 

Ich habe selbst ein mulmiges Gefühl vor dem, was mir die nächsten Monate bevor steht. Ich bin auch selbstständig und lebe nun mal davon, das ich für Produkte oder Marken auf meinem Blog uns Instagram werbe, so wie viele andere Blogger und Influencer auch. Die Diskussion ist ja gerade sehr angeheizt bei diesem Thema, ob es denn OK sei, wenn Influencer und Blogger weiter Werbung machen? Wenn wir das nicht tun, dann haben wir auch bald kein Geld mehr und stehen selbst vor dem finanziellen Aus. 

Aber das ist ja egal, weil Blogger oder Influencer zu sein ist ja eh kein richtiger Job, deswegen können ja ruhig alle pleite gehen. Was ist das für eine Einstellung? Wir führen genau so ein Unternehmen und zahlen Steuern. Viele Influencer haben sogar Angestellte, auch deren Existenz steht dann auf der Kippe.

Toleranz nur nach eigenem Geschmack?

Es gibt eine große Vielfalt an Jobs da draußen. So viele Möglichkeiten, wie es wahrscheinlich noch nie gab. Jeder Mensch hat andere Fähigkeiten und Stärken und ist es nicht wunderbar, wenn jeder in seinem Leben etwas findet, was ihm liegt und worin er erfolgreich sein kann. Warum muss es diese Hetze gegen diese Berufsgruppe immer noch geben? Ich dachte wir leben in einer toleranten Welt? Hört die Toleranz dann da auf?

Ich würde mir so sehr wünschen, dass wir ernsthaft darüber reflektieren, ob es in der aktuellen Situation angebracht ist auch noch über andere Menschen zu hetzen. Kein Mensch macht alles perfekt und wird auch während der Corona-Krise nicht alles perfekt machen. Das was aber passiert ist, dass wir uns gegenseitig anstacheln Menschen zu verurteilen und unseren moralischen Zeigefinger zu erheben. Das ist das, was am Ende — neben all den Sorgen und Ängsten — unser Herz erfüllt und auch weiter belastet. Sollten wir nicht erst einmal bei uns selbst anfangen, unsere eigenen Fehler und Verhalten in Frage zu stellen und zu verbessern, bevor wir Anderen sagen, was sie zu lassen haben und falsch machen?

Was ich mir von Herzen wünsche

Ich wünsche mir, dass wir diese Krise nutzen um unser Leben zu reflektieren, unsere Prioritäten, die wir im Leben haben zu überdenken, neu zu ordnen und barmherziger mit uns selbst und unseren Mitmenschen umzugehen. Ich wünsche mir, dass das Wort Nächstenliebe nicht nur eine Floskel für gutes Verhalten ist, sondern wahrhaft gelebt wird. Einer meiner allerliebsten Verse in der Bibel ist dieser und er bringt meinen Text auf den Punkt:

„Alles, was ihr tut, soll in Liebe geschehen!“ (1.Korinther 16,14)

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