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23 Jun

Wie ich meine Panikattacken los wurde

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Heute möchte ich über ein Thema sprechen, dass für mich persönlich schon einige Jahre zurück liegt, aber mir dennoch bis heute sehr prägend im Gedächtnis geblieben ist. Ich hatte in einer sehr einschneidenden Phase in meinem Leben mit Panikattacken zu kämpfen. Auslöser für diesen Artikel, war ein Gespräch aus den letzten Wochen, dass ich mit einer Freundin hatte. Ich weiß nicht mehr genau, wie wir auf das Thema kamen, aber sie erzählte mir, dass ein Ereignis, das so krass für sie war, zur Folge hatte, dass sie danach jedes Mal in dieser Situation Panik bekam. Sie erzählte mir ihre Gedanken dazu und ich erkannte mich in Teilen in dem wieder, wie sie sich in diesen Momenten fühlte. Ich glaube, Angst- oder Panikattacken sind etwas, das zwar oft vorkommt, aber selten darüber gesprochen wird. Für die Betroffenen ist dies aber umso wichtiger, denn die Akzeptanz und das Sensibilisieren der Menschen um Personen herum, die unter Panikattacken leiden, ist so wichtig. Deshalb möchte ich heute das Schweigen brechen und euch von meinen Panikattacken erzählen und vor allem auch, wie ich sie damals besiegt habe.

Und auf einmal war die Panik da

Meine erste Panikattacke hatte ich damals in der Schule. Ich kann mich noch ziemlich gut daran erinnern, weil ich auf einmal nicht mehr ganz bei mir war und ich auf einmal in einem Zustand war, den ich noch nie hatte. Ich fühlte mich auf einmal wie in Watte gepackt, ich stand vor dem Klassenraum, um mich herum jede Menge andere Schülerinnen und Schüler. Mir wurde übel, heiß und kalt, mein Herz klopfte mir bis zum Hals. Die Umgebungsgeräusche waren gedämpft, irgendwie als würde alles miteinander verschmelzen. Ich hatte große Angst, ich wusste nicht was mit mir los war. Ich versuchte normal zu bleiben, riss mich zusammen, versuchte an Gesprächen teilzunehmen. Es klingelte, wir gingen ins Klassenzimmer und zack es war alles wieder normal. Ganz still und leise, so schnell wie die erste Attacke kam, so schnell ging sie auch wieder. Keiner hat davon etwas mitbekommen. Was ich zu dem Zeitpunkt nicht wusste, war, dass es nicht das erste und letzte Mal sein sollte.

Ein Unglück kommt selten alleine

Ich war zu diesem Zeitpunkt 19 Jahr alt, besuchte die 13. Klasse und sollte bald die Schule abschließen. Meine Eltern hatten gerade den letzten Tropfen in ihr “Ehe-Fass” gegeben, der es hat überlaufen lassen. Es war eine ziemlich schmerzhafte Zeit. Und dann kamen an diesem Morgen auch noch die Panikattacken in der Schule dazu. Als hätte nicht eine Sache gereicht, mussten mir diese furchtbaren Panikattacken jetzt auch noch das Leben vermiesen.

Dass es eine Panikattacke war, die ich an jenem Morgen in der Schule hatte, wurde mir auch erst zu einem späteren Zeitpunkt klar. Ich wusste damals nicht einmal, dass es sowas gibt und auch nicht, wie sich sowas anfühlt. Ich war quasi erst mal alleine damit. Alleine mit meiner Angst und Panik, die ich mir und auch niemand anderes erklären konnte.

Die Attacken kamen nach diesem ersten Mal immer häufiger, immer geballter, immer schlimmer. Was stimmt denn nicht mit mir? Bin ich krank? Werde ich das mein Leben lang haben? Das waren so oft meine Gedanken.

Wie sah so eine Panikattacke aus?

Mein Panikattacken hatten einen bestimmten Verlauf und ich wusste irgendwann schon, in welchen Momenten sie wohl kommen könnten. Zu Hause und in ruhiger Umgebung ging es mir gut. Sobald ich in Situationen kam, in der viele Menschen zusammen kamen, viele Umgebungsgeräusche und mehr Stress dadurch auf mich einwirkte, passierte es.

Ich fühlte mich wie in Watte gepackt, ich hörte mein Herz heftig schlagen und mir wurde immer schlecht. Mir war so schlecht, dass ich mich jeden Moment hätte übergeben können, rein vom Gefühl her. Ich habe mich kein einziges Mal in dieser ganzen Zeit übergeben, aber meine Nerven lagen einfach völlig blank. Das war meine Angst mich in der Öffentlichkeit zu Übergeben und somit die Kontrolle zu verlieren. Die Kontrolle über meinen Körper und mein Verhalten. Ich hätte mich damals dafür zutiefst geschämt, wenn mir das passiert wäre. Aus heutiger Sicht wäre das für mich nicht mehr schlimm, denn sowas kann nun mal passieren und ist kein Weltuntergang. Aber damals war es eben anders.

Ich bin keine Psychologin und habe auch nur Erfahrung mit meiner Art von Panikattacken, aber von anderen Erzählungen weiß ich, dass die Angst, die diese Attacken schürten, oft von einem Kontrollverlust über sich selbst angetrieben wurden.

In dieser Zeit musste ich für das Abitur lernen. In kleinen Lerngruppen ging das ganz gut, auch ohne Panikattacke, und zu Hause bekam ich es auch hin. Ich fühlte mich nur ständig geschwächt. Mein Nervenkostüm war total instabil und die Panik hing mir im ständig im Genick. Wie ich es damals schaffte mein Abitur zu schreiben, ist mir bis heute kaum erklärbar. Ich habe einfach funktioniert, weil ich es musste. Das konnte ich eigentlich immer schon gut, funktionieren und so tun als wäre alles in bester Ordnung.

Ich war also nicht sterbenskrank

Schlussendlich war es aber irgendwann der Weg zu meinem Hausarzt, der Licht ins Dunkle brachte. Ich ging hin, weil ich ein Blutbild machen lies, um zu schauen, ob irgendwas in meinem Körper nicht stimmt. Es war alles in Ordnung. Schlussendlich brachte mein Arzt aber doch Licht ins Dunkle. Auf Grund meiner familiären und schulischen Situation war ich einfach so gestresst und überfordert, dass sich das auf meine Psyche niederlies.

Ich war also nicht sterbenskrank, sondern unheimlich gestresst und überfordert. Mir fiel ein Felsbrocken vom Herzen, denn ich war – Gott sei Dank – nicht todkrank. Endlich konnte ich an der Ursache und meinem Problem richtig arbeiten. Es war tatsächlich auch so, dass mich die Ungewissheit, ernsthaft krank sein zu können, zusätzlich so belastet hat, dass meine Angst dadurch verstärkt wurde. Nachdem Licht ins Dunkle kam, wurde ich sofort entspannter und die Panik wurde da schon deutlich weniger.

Nach meinem Abitur war mir nicht nach Party, sondern nach Ausruhen und zur Ruhe kommen. Ich war sehr viel zu Hause und versuchte mich so wenig wie möglich stressen zu lassen. Trotzdem wusste ich auch, dass ich was gegen die Panikattacken machen musste, denn sie gingen nicht einfach so weg.

Wie ich meine Panikattacken los wurde

Was mir damals wirklich geholfen hat, war mich selbst mit Situationen zu konfrontieren in denen ich Panikattacken bekam. Ich ging also bewusst in Situationen rein, in denen ich schnell gestresst war und viele Menschen auf einem Haufen um mich herum waren. Ganz normale alltägliche und auch schöne Dinge wie shoppen gehen, Essen und auf Parties gehen war zu dieser Zeit für mich eine meiner größten Herausforderungen. Ich stellte mich meiner Angst und das war für mich persönlich das Beste was ich tun konnte. Neben meiner Familie waren auch meine Freundinnen und mein damaliger Freund sich meiner Lage bewusst und sie waren meine engsten Vertrauten. Sie waren immer für mich da und gaben mir Halt und die Unterstützung, die ich brauchte. Es ist unheimlich wichtig, darüber zu reden und das Ganze nicht mit sich selbst auszumachen.

Ich überlegte damals auch, mir professionelle therapeutische Hilfe zu suchen, aber ich bekam meine Panikattacken durch meine eigene Konfrontationsmethode, ziemlich schnell und gut selbst in den Griff. Daher habe ich dann davon abgesehen. Ich kann aber jedem nur raten: Wenn du die Panikattacken nicht selbst in den Griff bekommst, oder sie so schwer, häufig und schlimm sind, dann such dir auf jeden Fall professionelle Hilfe. Bei mir hat es schlussendlich ein Jahr gedauert, bis ich die Panikattacken komplett los war. Seit dem hatte ich auch nie wieder eine Panikattacke.

Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass sich zu diesem Zeitpunkt verschiedene nervlich belastende Probleme in meinem Umfeld gehäuft haben, so dass es bei mir eben irgendwann in die Angst und Panik gekippt ist. Ich bin in einem sehr behüteten Elternhaus aufgewachsen, bis zu meinem 19. Lebensjahr verlief mein Leben ziemlich entspannt und sorgenfrei. Diese Phase in meinem Leben hat mich ganz schön durcheinander gewirbelt, aber auch um einiges stärker und erwachsener gemacht.

Ich muss aber auch sagen, dass ich meine Panikattacken zwar weg bekam, aber innerlich hatte ich trotzdem noch einige Wunden aus dieser Zeit. Sie äußerten sich zwar nicht mehr in Panikschübe, aber Unterbewusst war da viel verbrannte Erde. Viele Probleme nahm ich also weiterhin mit und sie machten mir mein Leben an der ein oder anderen Stelle nicht leichter.

Gänzliche Heilung fand ich für mich persönlich erst in den letzten Jahren durch Gottes Hilfe. Mein Leben ist seit 2 Jahren so erfüllend, wie es noch nie war. So endet meine Geschichte, wie endet deine?

Du bist nicht alleine damit

Wenn du selbst an Panikattacken leidest, kann ich dir sagen, dass du nicht alleine bist. Es gibt viele Menschen, die wissentlich als auch unwissend davon betroffen sind und es ist etwas, für das man sich nicht zu schämen braucht. Wir leben in einer verrückten Welt, in der eben nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen ist und man oft vor Herausforderungen gestellt wird, bei denen die Psyche und der Köper irgendwann an ihre Grenzen kommen.

Sprich mit deiner Familie, deinem Mann/Freund, deinen engsten Freundinnen und Freunden darüber und suche dir – wenn nötig – seelischen Beistand zur Bewältigung deiner Panikattacken. Am Ende des dunklen Tunnels ist immer Licht.


Wenn du gerne noch mehr über mich und mein Leben erfahren möchtest, dann schau dir doch gerne die nachfolgenden Artikel mal an:

Wer ist Ruth? Teil 1
Wer ist Ruth? Teil 2
Wer ist Ruth? Teil 3

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