To top
23 Dez

Grateful & Blessed

Ruth Garthe

Ich habe diese Frauen, die furchtlos zu dem stehen wer sie sind und was sie machen, oft bewundert. Auch, wenn sie mich persönlich mit ihrem Lifestyle nicht ansprechen, war ich doch beeindruckt, wie engagiert und offenen Herzens, sie die Dinge, die sie bewegen angehen und in die Welt hinaus sprechen. Ja, manchmal hat mir das sogar einen Stich versetzt und ich habe Neid verspürt auf diese Leidenschaft ihre Meinung zu vertreten, egal, was die Menschen da draußen über sie dachten. Heute … will ich auch mutig sein und in die Fußstapfen eben dieser furchtlosen Frauen treten, die zu dem stehen, was sie tun und denken.

Ich bin gescheitert …

Ich bin weder schüchtern, noch auf den Mund gefallen und dennoch fällt es mir trotzdem schwer diesen Text zu schreiben, denn ich weiß, er wird etwas verändern. Ich habe mich unheimlich schwergetan, in den letzten Monaten, hier Blogbeiträge zu veröffentlichen. Nicht, weil ich kein Material, Ideen oder Visionen hatte, sondern weil ich mir einfach selbst damit im Weg stand.

Die Mission meines Blogs ist – neben Fashion, Travel & Lifestyle – euch an meinem echten Leben und an meinen Gedanken teilhaben zu lassen. An letzterem Punkt bin ich leider gescheitert, weil mir bisher der Mut gefehlt hat, meine ehrliche Meinung zu gewissen Themen mit euch zu teilen.

Sicherheit & Bedeutung

Aus der Masse herauszustechen und einen anderen Lifestyle zu leben – wie gefühlt der Rest der Gesellschaft – hat sich für mich ziemlich unsicher angefühlt. So wie viele Menschen, mag ich meine sichere Umgebung. Ich bin kein Risiko-Typ und auch keine Draufgängerin. Ich mag es, wenn die Dinge einfach sind und ich sie auf einfachstem Wege an mein Leben anpassen kann. Leider ist mir viel zu oft die Meinung von anderen Menschen wichtiger, als das, was ich selbst denke.

Egal welche Ansichten und Verhaltensweisen ein Mensch hat, allen gemein sind die beiden großen, grundlegenden Bedürfnisse nach Sicherheit und Bedeutung. Daher klammert er sich an alles, was ihm Sicherheit geben kann. Das ist vor allem die Liebe anderer Menschen, ihre bedingungslose Annahme, das Wissen um die Zugehörigkeit zu Bezugsgruppen (Familie, Gemeinde, Freunde, Vereine). Das ist es was wir alle wollen und wonach wir uns alle sehnen, egal welche Wege oder Verhaltensweisen wir an den Tag legen.

Mein Schweigen dauerte lange genug und ich möchte euch heute mitnehmen, auf meinen Weg, den ich bereits vor Monaten begonnen habe zu gehen und der mein Leben und auch Denken maßgeblich zum Positiven verändert hat und mich eine Freiheit und Liebe spüren lässt, die ich bisher nicht kannte.

Liebe, Glaube & Hoffnung

Ich gehe seit Mitte Juli in eine freie christliche Gemeinde, ich lese die Bibel, ich gehe einmal die Woche in einen Hauskreis (kleinere Gruppe von Christen, die sich privat zum Beten, Lesen in der Bibel o. Ä. treffen) mein Freundeskreis hat sich ungefähr verdreifacht, ich verstehe warum ich hier auf dieser Welt bin und das Wichtigste und essentielle: Ich verstehe jetzt viel mehr was all diese Dinge miteinander verbindet und im Mittelpunkt meines Lebens steht. Es ist mein neugefasster Glaube an Gott und die Liebe und Vergebung durch Jesus Christus.

Puh, so jetzt ist es raus!

Was mich ermutigt hat

Ich möchte an dieser Stelle den BILD-Reporter Daniel Böcking zitieren, dessen Artikel und sein Outing als Christ mich unter anderem ermutigt haben, heute hier über meinen Glauben zu schreiben. Er schrieb in seinem Artikel: „Warum ich mich heute als Christ outen will!“ Folgendes:

„Haben wir Angst, uns zu unserem Glauben zu bekennen und entsprechend zu handeln, weil andere vermeintlich gläubige Menschen so unfassbares Böses anrichten? Weil uns der Glaube unangenehm geworden ist? Weil Religion plötzlich so oft nah am Fanatismus scheint? (...) Wieder und wieder werden wir in der Bibel aufgefordert, uns frei und ohne Angst zu Gott und Jesus zu bekennen. Und damit zu den Grundpfeilern der guten Nachricht: zu Liebe, Barmherzigkeit und Vergebung. Auch dieses offene Bekenntnis ist eine Tat und der beste Anfang.“ (Daniel Böcking, BILD-Reporter)

Ich denke, es ist in der Tat so, dass viele Menschen (ich war einer von ihnen) ein falsches Bild von Christen und dem christlichen Glauben haben. Und leider ist es teilweise auch verständlich. Aber – wie bei so vielem anderen auch – darf man eben nicht alles über einen Kamm scheren, sondern man sollte offenen Herzens und Verstandes gewisse Dinge hinterfragen. Darauf wird man in der Bibel übrigens auch hingewiesen. Mein Glaube hat nämlich nichts mit sturer und stupider Hinnahme zu tun, sondern mit nüchternem Überprüfen und Hinterfragen:

„Prüft alles, das Gute behaltet!“ (1.Thessalonicher 5:21)

Meine Geschichte

Ich möchte euch heute meine Geschichte erzählen, wie ich Christin wurde:

Ich bin als Baby katholisch getauft worden, war fast jeden Sonntag mit meiner Mama und meiner Schwester in der Kirche, habe vor dem Schlafen gehen mit meiner Mama Gebete aus einem Kindergebetsbuch gesprochen, hatte Kommunion und Firmung, war Messdienerin und habe mich eine Zeit lang in einer kirchlichen Jugendgruppe engagiert. Ich habe an Gott geglaubt und daran, dass er die Welt erschaffen hat.

Wie es nun mal so ist, hat man als Jugendlicher nicht gerade großes Interesse an solch‘ tiefgründigen Themen. Kirche und Religion haben da für mich auch irgendwann nicht mehr reingepasst. Ich empfand das alles als altmodisch, überholt, langweilig und komisch. Ich wollte mit dem Thema Kirche nichts mehr zu tun haben. Es war auch eher eine Qual und ein Pflichtprogramm an Weihnachten oder Ostern in die Kirche zu gehen. Ich habe mich dort richtig unwohl gefühlt.

In der Oberstufe habe ich dann Ethik gewählt, anstatt Religion weiter zu belegen und mit 21 Jahren bin ich dann auch komplett aus der Kirche ausgetreten. Mein Glaube an Gott war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wirklich existent. Ich habe eher an so Dinge wie „Das Universum“ geglaubt, an „Die Wissenschaft“ mit ihrer Urknalltheorie, an Schicksal, an Zufall, Karma, … sowas eben. Gott war zu dieser Zeit ganz weit weg …

… und doch so nah …

Wie alles begann …

Mein Freund ist schon seit ich ihn kenne sehr vielseitig interessiert. Er hat immer schon viel gelesen und recherchiert – kein Thema erschien zu weit weg, um ihm nicht auf den Grund zu gehen, egal wie die anderen Menschen das fanden. Was das angeht, sind wir beide wie Tag und Nacht. Dass hier eine gewisse Reibung vorprogrammiert ist, dürfte jedem klar sein. Wenn der eine (Er) sich ständig weiterentwickeln möchte und der andere (Ich) länger braucht, um Veränderungen zu akzeptieren und diese meist erst mal doof findet, dann birgt das Konfliktpotenzial.

Auch wenn es für mich oft echt nicht leicht war (für ihn mit mir übrigens auch oft nicht, haha), habe ich durch ihn echt viel lernen dürfen. Doch schlussendlich habe ich durch ihn das entdeckt, was meinem Leben heute so viel Fülle gibt: JESUS!

Glaube – was hat das mit mir zu tun?

Vor etwas mehr als einem Jahr, kam mein Freund mit dem Thema Gott und Glaube um die Ecke. Hier fing ich das erste Mal wieder an darüber nachzudenken. Ich dachte an meine Kindheit und an den Glauben den ich damals hatte. Es schien alles ziemlich weit weg und eigentlich auch immer noch ziemlich altmodisch und nicht zeitgemäß.

In dieser Zeit fing er an in der Bibel zu lesen. Damit konnte ich zunächst so rein gar nichts anfangen. Irgendwann habe ich dann aber auch mal angefangen zu lesen, weil es mich dann doch interessierte, was ihn daran so fasziniert. Schnell bemerkte ich aber, dass ich zum Teil an meine Grenze stieß, mit dem was ich da laß.

Erinnerungen an die Kirche, wie ich sie kannte

Es erinnerte mich wieder an die katholische Kirche. Mein Freund hatte jedoch einen anderen Ansatz in seinem Glauben, den ich auch erst mal nicht verstand. Es ging ihm nämlich nicht um Kirche oder Religion. Es ging „einfach nur“ um den Glaube an Gott, um die persönliche Beziehung zu Gott und darum, dass die Bibel Gottes heiliges Wort ist.

Für mich war Kirche, Religion und Glaube immer eins, doch heute weiß ich, das muss nicht so sein! Glaube hat für mich persönlich nichts mit Religion zu tun, wenn man Religion als menschengemachte Tradition versteht. Und auch nicht mit Kirche, wenn man diese als menschengemachtes Machtsystem versteht. Denn dies wird in unserer Gesellschaft nur allzu oft gleichgestellt.

Mein Freund besuchte ab einem gewissen Zeitpunkt eine freie christliche Gemeinde. An Gott glaubte ich zu diesem Zeitpunkt wieder, aber richtig verstanden hatte ich es immer noch nicht. Ich war der Meinung, ich brauche keine Gemeinde, da ich hier auch nur wieder an die „Kirche“ (wie sie landläufig verstanden wird) gedacht habe, die ich zwar kannte und aber nicht mochte. Ich hatte Vorurteile und dachte sehr beschränkt. Was eine freie christliche Gemeinde (Freikirche), ist wusste ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich dachte erst mal an eine Sekte. Ich habe alles Schlechte darin gesehen, obwohl ich keine Ahnung hatte, sondern nur eine vorgefertigte Meinung über etwas, das ich nicht kannte.

Als ich über meinen Schatten sprang

Im Juli diesen Jahres ließ mein Freund sich dann taufen. Meine Meinung hatte sich bis zu diesem Zeitpunkt nicht geändert, und ich empfand das alles immer noch als höchst absurd. Ich ging also nicht mit und er musste alleine gehen. An diesem Tag passierte aber etwas.

Ich fühlte mich das erste Mal richtig schlecht und unglaublich egoistisch: Erstens habe ich meine Vorstellungen und meine Abneigung über unsere Beziehung gestellt. Zweitens war ich nicht für meinen Freund da – in einem Moment, in dem er mich wirklich gebraucht hätte und der für ihn einer der wichtigsten Tage in seinem Leben war – wie er mir einige Tage später sagte. Ich hätte ja nicht an das Glauben müssen was er glaubte, sondern einfach nur für ihn da sein. Ich hatte ihn im Stich gelassen!

Die Veränderung – ganz anders als gedacht

Ich fühlte mich schrecklich und so langsam fing ich an zu verstehen, was ich da eigentlich tat. Ich lehnte etwas ab, weil ich Vorurteile hatte. Nachdem er nach Hause kam, hatten wir ein sehr langes, emotionales, offenes Gespräch. Alles kam auf dem Tisch. Am Ende des Gesprächs fasste ich mir ein Herz und sagte ihm, dass ich nächsten Sonntag mitkommen werde. Und so war es dann auch.

Das, was mir an diesem Sonntag begegnete, war alles andere, als das was ich erwartete. Die Menschen waren so herzlich, freundlich und fröhlich in einer Art und Weise, die ich so nicht kannte. Es hatte etwas Anziehendes und absolut Reines an sich. Klar sind mir schon viel herzliche und freundlich Menschen begegnet, aber diese Art kannte ich nicht. Es war Leben in dieser Gemeinde: Junge Familien, Jugendliche, Kinder und super viel Leute in meinem Altersbereich.

Es malte sich ein ganz anderes Bild, als das, was ich aus der katholischen Kirche kannte. Die Lieder, die wir in Begleitung einer richtig guten Band sangen, waren modern und gingen an mein Herz. Die Predigt war ermutigend, echt und lebensnah.

Diese Herzlichkeit und Freude über die ich gerade sprach, war übrigens etwas, dass mir nicht nur bei den Menschen in der Gemeinde aufgefallen ist, sondern z. B. auch bei christlichen Frauen, denen ich zu dieser Zeit auch auf Instagram angefangen habe zu folgen. Tolle Frauen, kann ich euch sagen!

Das, was ich da die ganze Zeit in Gedanken so vehement abgelehnt hatte, war am Ende so wertvoll für mich geworden. Seit diesem Tag und den darauffolgenden Wochen veränderte sich etwas in mir.

Ich fing an, zu spüren und zu erkennen, dass ich eigentlich mein Leben lang genau das, nämlich Gott, (teilweise bewusst, als auch unbewusst) gesucht habe und IHN endlich gefunden habe.

Zufall oder Gott?

Ich hatte so oft in meinem Leben das Gefühl, dass mich irgendetwas oder irgendwer beschützt und an meiner Seite steht und dass ich „Glück“ hatte, dass mir dieses oder jenes nicht passiert ist. Es gab einige Momente in meinem Leben, wo ich einfach nur sprachlos war, über den „Zufall“ der mir widerfuhr.

Hattet ihr solche Momente in eurem Leben auch schon, in denen Dinge passieren, die man rational einfach nicht erklären kann?

Die meisten Menschen sprechen dann von „Zufall“, „Schicksal“ oder „Karma“ … das tat ich früher auch. Heute nenne ich es: „Gott und seinen Plan für mein Leben“!

Mein Inneres hat sich verändert

Mein Glaube hat mein Leben auf jeden Fall ungemein bereichert und lässt mich eine innere Freiheit spüren und eine Zuversicht, Friede und Liebe, wie ich sie zuvor nie hatte.

Auf der anderen Seite war ich aber auch noch nie so verletzlich und nachdenklich, wie in den letzten Monaten. Denn diese große Glaubensveränderung ist durchaus ein einschneidendes Erlebnis für mich und hat große Auswirkungen auf so viele Lebensbereiche.

All die Verletzlichkeit und die Schwäche ist etwas sehr, sehr Gutes, wenn sie aufgedeckt wird – auch wenn das jetzt vielleicht komisch klingen mag. Sie hilft alte Wunden zu erkennen und durch Jesus heilen zu lassen. Denn er vergibt und heilt uns wirklich. Jesus ist für unsere Schuld am Kreuz gestorben und durch ihn dürfen wir wieder frei sein. Kein Weg scheint mehr zu lang, kein Weg ist zu furchteinflößend, kein Weg ist unmöglich, denn Jesus ist immer an meiner Seite und auf ihn kann ich mich zu 100% verlassen.

Die Leere die so viele spüren

Ich weiß, dass es da draußen etliche Menschen gibt, die auf der Suche sind: Auf der Suche nach Liebe, nach Annahme, nach Geborgenheit, nach Bedeutung, nach Sicherheit, nach Vergebung; Auf der Suche nach dem Sinn des Lebens; Auf der Suche nach sich selbst!

Sie suchen es in den unterschiedlichsten Dingen: In Menschen und Beziehungen, in ihren Jobs, in einer gewissen Lebenseinstellung und eifern dem nach, um ihr Leben lebenswerter für sich selbst – oder zum Schein vor anderen Menschen – zu gestalten. Und doch haben sie eine Leere in sich, die sie immer wieder spüren.

Gott liebt dich von ganzem Herzen

Wenn du dich hier angesprochen fühlst, möchte ich dir einfach nur sagen: Gott liebt Dich von ganzen Herzen! Er hat Dich zuerst und schon immer geliebt und alles, was er sich wünscht ist eine persönliche Beziehung mit Dir.

„Und ihr könnt auch die Liebe erkennen, die Christus zu uns hat; eine Liebe, die größer ist, als ihr je begreifen werdet. Dadurch wird euch der Reichtum Gottes immer mehr erfüllen.“ (Epheser 3:19)

Zum Schluss möchte ich euch noch folgendes Video ans Herz legen. Es fasst einzelne Passagen aus meinem Text zusammen und veranschaulicht auf eine bildliche Art und Weise das, woran ich glaube.

Wenn ihr Fragen, Wünsche, Anliegen habt, schreibt mir immer gerne. Ansonsten freue ich mich auch auf eure Meinung und eure Gedanken zu meinem Beitrag. Es wird ab heute übrigens auch eine neue Kategorie aus dem Blog geben, die ich nun regelmäßig befüllen werde: „Faith“

6 Comments
  • Linda Sophie

    Liebe Ruth,
    gerade jetzt zur Weihnachtszeit ist es sehr ermutigend zu hören, welche Erfahrungen du in Bezug auf Religion und den Glauben an Gott gemacht hast.
    Danke, dass du so offen deine Gedanken geteilt hast – gerne mehr 🙂
    Liebe Grüße
    Linda

    23. Dezember 2018 at 21:14 Antworten
  • Patricia Toews

    Chapeau !
    Seit langem mal wieder ein richtig inspirierender Blog Beitrag, fernab von dem ganzen Fashion Mainstream. Nicht falsch verstehen, ich folge dir seit Tag 1 und lasse mich sehr gerne von dir inspirieren- aber das hat Mut gebraucht und auf sowas steh ich absolut ! Das Leben hat noch ein bisschen mehr Fassaden und du blickst hinter diese
    Weiter so Ruth !❤️❤️❤️

    Liebste Grüße
    Patricia

    23. Dezember 2018 at 21:38 Antworten
  • Dina S.

    Sehr schön geschrieben, weiter so. Sei authentisch!

    24. Dezember 2018 at 6:50 Antworten

Leave a reply