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8 Jan

2019 – Eine Lovestory in drei Akten

Hochzeit

Wo fange ich an? Wenn ich auf das Jahr 2019 zurück blicke, kommt es mir vor wie ein Traum. Es kommt mir vor, wie einer dieser Filme in denen die zwei Hauptfiguren um ihre Beziehung kämpfen, durch schwere Zeiten gehen, am Ende zusammen in den Sonnenuntergang reiten und die Endszene mit einem immer kleiner werdenden Herzrahmen schließt.

Einfach total verrückt und surreal. Wie ihr ja wisst zeigen die sozialen Medien meist nur die schönen Seiten unseres Privatlebens und weniger die Seiten, die uns wirklich beschäftigen. Ich habe auch lange überlegt, ob ich wirklich darüber schreiben soll. Aber ich denke, es ist eine Geschichte, die der ein oder anderen von euch sicher Mut machen kann, deshalb teile ich sie mit euch.

Vom Tiefpunkt zum Jahreshöhepunkt

Am Jahresende von 2018 war ich so richtig schön am Jahrestiefpunkt angekommen. Mein heutiger Mann und ich waren zu diesem Zeitpunkt fünf Jahre ein Paar und wir hatten bis dahin schon einiges zusammen erlebt. Unsere Beziehung war in vielen Punkten sehr erprobt und auch wenn ich vieles davon heute als sehr positiv ansehe, weil es uns hat reifen lassen, waren wir damals beide einfach nur frustriert über die Situation in unserer Beziehung. Es ging nicht voran und es war an der Zeit für uns beide eine Entscheidung zu treffen, nach 5 Jahren Beziehungsachterbahn. Deshalb hatten wir ein Gespräch. Es war nicht das erste Gespräch in diese Richtung das wir hatten, aber es sollte das letzte, das entscheidende Gespräch sein.

Ihr müsst wissen, dass für uns beide zu dem Zeitpunkt die Entscheidung im Raum stand: Entweder Hochzeit oder Trennung. Wir wollten nicht mehr rumeiern, sondern Nägel mit Köpfen machen. Das Problem war nur: Eine klare Entscheidung zu treffen war damals für uns, aus verschiedenen Gründen, auf die ich an dieser Stelle nicht weiter eingehen möchte, nicht möglich.

Räumlich Trennung

Wir entschieden uns für eine räumlich Trennung, um etwas Abstand zu gewinnen und unsere Gedanken, wie es mit uns weiter gehen sollte, neu zu ordnen. Die große Frage stand also im Raum: Wohin gehe ich? Eine Wohnung in der Kürze der Zeit zu finden war quasi unmöglich. Leute ich kann euch sagen, es war eine der beschissensten Situationen, die ich mir vorstellen konnte. Aber wisst ihr was? Das Krasse war, ich legte all mein Vertrauen in Gott, ich habe ihn angefleht, dass er mir helfen soll. Und er tat es. Und zwar einen Tag später.

Freunde: Was würden wir nur ohne sie tun?

Meine Freundin Maren und ich hatten zusammen die Silvesterfeier geplant. Wir feierten bei ihr und ihrem Mann zu Hause mit einigen Leuten. Ich erzählte ihr von meiner Situation bei den Vorbereitungen und sie bot mir prompt an, dass ich ins Gästezimmer zu ihnen ins Haus ziehen könnte. Hintergrund war: Ihr Mann war ab Anfang des Jahres für 5 Monate auf einer Weiterbildung in einer anderen Stadt und sie war mit ihrem Sohn alleine im Haus.

Ihr könnt euch nicht vorstellen was das in mir auslöste: Wenn ich heute darüber schreibe und nachdenke, ist es immer noch total krass. Meine Probleme waren zwar nicht mit einem Schlag gelöst, aber ich hatte für 5 Monate ein Zimmer bei einer wunderbaren Freundin und musste mir zumindest diesbezüglich keine Gedanken mehr machen, wie es weitergehen soll. Das war so eine große Erleichterung und ich freute mich auf die gemeinsame Zeit mit ihr.

Es war die beste Entscheidung, die wir hätten treffen können

Es stand also erst mal ein Umzug an. Anfang Februar zog ich bei Maren ein. Rückblickend war es die härteste und zugleich beste Entscheidung, die mein Mann und ich damals hätten treffen können. Manchmal muss man einfach etwas Abstand gewinnen, um auf die Dinge mit einem klaren Kopf schauen zu können. Gerrit war geschäftlich viel unterwegs und wir sahen uns quasi nur am Wochenende für einige Zeit. Der Abstand tat uns gut. So strichen ein paar Monate ins Land und unsere Beziehung blühte neu auf. Schnell war eigentlich klar, in welche Richtung das Ganze gehen wird.

Mein Leben kam mir vor wie in einem Film

Bei unserer Reise nach Venedig im Juni stellte er mir schlussendlich die Frage aller Fragen. Zwei Monate später heirateten wir standesamtlich. Parallel dazu zogen wir in unsere neue Wohnung. Umzug und Hochzeitsplanung stand auf dem Programm und der ganze Frust und alle Unsicherheit war wie weggeblasen. Im Oktober heirateten wir dann noch kirchlich. Es war ein Feuerwerk der Emotionen und das schönste und zugleich kräftezehrendste Jahr das ich je hatte.

Vertrauen, Geduld und Langmut

Was sich am Anfang des Jahres 2019 für uns als harte Probe erwies, sollte am Ende des Jahres die Früchte hervorbringen und so gesegnet sein. Manchmal muss man eben erst einen rauen Weg gehen, um den ebenmäßigen richtig schätzen zu können.

Wir haben uns nach 5,5 Jahren Beziehung mit vielen Höhen und Tiefen füreinander entschieden. Diese Entscheidung und der Weg dahin war alles andere als einfach. Als Gerrit aber vor mir kniete und mich fragte, wusste ich, dass es zu 100 Prozent der Weg ist, den ich mit ihm gehen möchte.

Wir sind zusammen gewachsen und haben uns durch Gottes Hilfe verändern lassen. Vergebung und die Konfrontation mit uns selbst und unseren Schwächen und Stärken war ein Teil des Prozesses. Kein Mensch und keine Beziehung ist perfekt. Niemand passt zu 100 Prozent perfekt zusammen. 100 Prozent Perfektion existiert in unserer Welt nicht. Was wir aber haben, ist der 100-prozentige, freie Wille mit dem eine Entscheidungsfreiheit einhergeht. Wir können uns dafür entscheiden, welchen Weg wir gehen wollen. Ob dieser Weg immer der Richtige ist, dass ist eine andere Frage.

Gerrit und ich hätten am Ende des Jahres 2018 auch eine andere Entscheidung treffen können. Wir hätten den einfacheren Weg wählen können: Die Trennung! Das wäre sicher erst mal schmerzhaft gewesen, aber definitiv einfacher, denn das Leben geht auch danach weiter. Nur eben nicht mehr zusammen und ohne die Verantwortung des Partners gegenüber.

Ein klares JA füreinander

Das klare JA, das wir füreinander getroffen haben, trotz unserer gemeinsamen oder gerade wegen unserer gemeinsamen Vorgeschichte, hat unsere Beziehung verändert. Seit wir verheiratet sind, fühlen wir uns beide total angekommen. Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, dass der Partner sich exklusiv für einen entschieden hat.

Ich glaube, vielen Paaren fällt es heutzutage immer schwerer eine klare Entscheidung füreinander zu treffen. Hier geht es nicht unbedingt nur um den Schritt in die Ehe, sondern es fängt schon bei der Frage nach einer Beziehung an. Da draußen warten viele Möglichkeiten auf uns, aber die Frage, die sich jeder stellen muss ist: Sind die vielen Möglichkeiten es wert, dass man dafür seine Beziehung oder seine Ehe aufs Spiel setzt? Was kommt danach? Weiter geht es immer irgendwie, aber zu welchem Preis? Die Frage, die ich euch mit in das Jahr 2020 geben möchte ist:

Ist es dir Wert, einen hohen Preis für etwas zu zahlen, bei dem der Gewinn nur von kurzer Dauer ist?

Ich wünsche euch ein gesegnetes und frohes neues Jahr 2020. Eure Ruth

4 Comments
  • Lina

    Liebe Ruth,

    Eure Geschichte ist wirklich wie aus einem Buch oder Film. Durch Tiefen und Hohen habt ihr noch mal zu einander gefunden und jetzt für immer!

    Ich wünsche euch beiden nur das Beste für die Zukunft! 🌹

    Liebe Grüße,
    Lina von http://www.linasmagicalworld.de

    10. Januar 2020 at 10:27 Antworten
  • Mirjam

    Was für eine tolle Geschichte Ruth! Ich glaube ich hätte alles Hoffnung bei einer räumlichen Trennung verloren aber ich kann irgendwie auch verstehen, dass darin vielleicht der Schlüssel zur Klarheit lag. Ich freue mich sehr für dich und deinen Mann!

    Alles Liebe, Mirjam
    http://www.meetmiri.com

    10. Januar 2020 at 20:57 Antworten

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